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Woofing Part II

 Samstags haben wir unsere Sachen in der Rainbow Lodge gepackt und im Auto verstaut und sind nochmal in unsere Lieblings-Juice-Bar in Taupo gefahren und haben uns nochmal einen Vitaminschub in Form von Saft geholt.

Als wir wieder im Auto saßen, hab ich dann Phoebe angerufen und gesagt, dass wir jetzt kommen würden. Sie wollte erst ihre Tochter schicken, damit sie uns abholt, aber wir hatten ja immer noch das Auto. Das war ihr ganz recht und so sind gleich zu ihr gefahren. Den Weg sind wir vorher schon mal anhand ihrer Beschreibung abgefahren, damit wir es auch finden.

Dort angekommen wurden wir erst mal bellend von einem Monsterhund begrüßt. Der Hund war so groß, dass wir uns erst nicht aus dem Auto getraut haben. Es kam aber auch keine Phoebe raus, um uns in Empfang zu nehmen. Also sind wir dann doch irgendwann ausgestiegen und wurden erst mal von diesem hässlichen, sabbernden Monster überfallen. Kurz darauf kam dann ein kleiner, fetter, schwanzwedelnder Hund auf uns zugestürmt. Wir sind zur offenen Tür gelaufen und haben gerufen, aber niemand hat reagiert. Also haben wir uns einfach ins Wohnzimmer gestellt und uns mit den Hunden beschäftigt bis irgendwann Phoebe ins Wohnzimmer kam und uns freudig begrüßt hat. Sie hat gleich ihren Mann Geoff gerufen, der uns alles zeigen sollte. Sie war zu müde und wollte wieder ins Bett. In der Zeit, in der wir dort waren, war Phoebe IMMER müde. Morgens kam sie uns entgegen, bevor sie auf die Arbeit ging und das Erste, was sie gesagt hat war: „Oh, Im so tired.“ IMMER! Ob morgens, vormittags, mittags, nachmittags oder abends.

Phoebe ist dann wieder ins Bett und Geoff hat uns erst mal alles gezeigt und erklärt. Der Haushalt besteht nur aus Frauen (ausgenommen Geoff). Phoebe, Anastatia (jüngste Tochter von sieben Kindern, die noch zu Hause wohnt), Zulu (großer Hund), Gabbana (kleiner Hund – wär lustiger, wenn sie Zulu „Dolce“ genannt hätten), Tigger (Katze). Geoff hat es nicht leicht mit all den zickigen Weibern.

Dann wurden uns noch die Schweine gezeigt und das Mutterschwein mit 3 Ferkelchen (2 rosa, 1 schwarz - zu der Zeit eine Woche alt). Leider hat sich die Mutter irgendwann auf eines der rosa Ferkelchen draufgesetzt und es ist gestorben. Zulu hat das gemerkt und die ganze Zeit gebellt und nicht mehr aufgehört, bis wir gemerkt haben, was passiert ist.

Außerdem haben Phoebe und Geoff noch ein Cottage, was sie vermieten.

In der Nacht vor unserer Ankunft haben Gäste im Cottage übernachtet, also war unsere erste Aufgabe, das Cottage zu reinigen (Betten abziehen, waschen, neu beziehen, staubsaugen, putzen...). Da wir zu zweit waren, ging das relativ schnell. Nachmittags kam dann Anastatia nach Hause (eine freche, zickige 21-jährige) und hat uns erst mal ein paar Regeln klargemacht (wie den Wasserkocher immer mit Wasser füllen, wenn wir ihn leergemacht haben).

Neben dem Haus steht noch ein kleines Holzhäuschen (genannt „Love-Shack&ldquo, in dem Dani und ich schlafen sollten. Da an diesem Tag noch ein anderer Backpacker (der 20-jährige Pablo aus, ach welch eine Seltenheit, Deutschland) zum woofen angekommen ist, mussten Daniela und ich unsere Sachen wieder aus dem Love-Shack schleppen und ins Haus umziehen, damit Pablo den tollen Love-Shack bekommt. Daniela und ich mussten dann in ein kleines Zimmer mit Stockbett umziehen. Aber gut! Hauptsache, wir mussten mal kein Geld für Übernachtung ausgeben. Da war es mir auch relativ egal, wo ich schlafe.

Abends hat Phoebe uns dann erklärt, was wir alles machen sollen, während wir dort sind. Wir sollten 4 Stunden am Tag arbeiten (wann durften wir entscheiden – und wir waren für Ausschlafen) und hatten dann den Rest des Tages frei. Daniela und ich sollten Hausarbeit machen, Gardening, Cottages (falls Gäste da waren) und was das Schlimmste ist, KOCHEN. Wir haben Phoebe gleich gesagt, dass wir beide nicht kochen können, aber sie wollte es uns beibringen. Später wurden wir dann auch gleich alle zum Kochen gerufen. Phoebe hat uns ganz viel übers Kochen gezeigt. Nach einer Woche meinte sie dann, dass sie uns genug Gerichte gezeigt hätte, und dass wir das jetzt machen sollten. Aber es hat nicht wirklich funktioniert. Phoebe musste immer zu Hilfe eilen.

An unserem zweiten Tag bei der Familie hat Phoebe uns einen Zettel mit Aufgaben geschrieben. Da Geoff von zu Hause aus arbeitet, hatten wir immer einen Ansprechpartner. Unsere Aufgaben bestanden aus Haushalt. Wir haben erst mal alles gesaugt und geputzt (was wir durch die Hunde jeden Tag machen mussten) und dann sollten wir mit einer Ölpolitur alle Holzmöbel bearbeiten und alle Spinnweben im Haus entfernen. Daniela hat die Spinnweben übernommen und ich das Ölen. War ein Fehler! Als ich das erste Mal das Wohnzimmer gesehen hab, fand ich es total gemütlich mit all dem Krimskrams und Sachen und Lichterketten und Ramsch. Aber da musste ich das auch noch nicht putzen! Es war der Horror. Ich habe insgesamt 12 Möbelstücke eingeölt (unter anderem einen angeblich 400-Jahre alten Sekretär und angeblich den ersten Tisch, der in Neuseeland gefertigt wurde). Nach unseren mittlerweile mehr als 4 Stunden hatten wir dann wirklich genug. Hab ich schon erwähnt, dass die Neuseeländer kein wirklich sauberes Volk sind (was die Häuser betrifft). Das hab ich mir bei meiner ersten Woofing-Familie (Aoife und Lyndon) schon gedacht. Und bei Phoebe hat sich das wieder bestätigt. Jeder, der mich kennt, weiß ja, dass ich auch nicht gerade täglich meine Wohnung geputzt hab. Aber in neuseeländischen Häusern ist es sogar mir zu dreckig. Ich bin auch den ganzen Tag mit einem Lappen rumgelaufen, weil ich ständig wieder irgendwelche Flecken und Staubwolken und tote Motten und Viehzeug gesehen hab. Tja, und Daniela ist auch nicht die Sauberste. Wir haben uns immer die Arbeit geteilt und jeder hat immer was anderes gemacht. Aber trotzdem musste ich immer nochmal das machen, was Daniela eigentlich schon gemacht haben sollte. Sie sieht die schlimmsten Dreckstellen einfach nicht (oder hat keinen Bock). Einmal sollten wir die Lampen putzen und Daniela hat gesagt, dass sie das macht. Ich hab in der Zwischenzeit was anderes gemacht. Eine Woche später meinte Phoebe, dass wir nochmal die Lampen putzen sollen, weil die so dreckig wären. Ich hab mich noch über Phoebe geärgert, weil wir das ja eine Woche vorher schon gemacht hatten. Diesmal hab ich gesagt, dass ich die Lampen putze und kaum hab ich auf dem Stuhl gestanden und die Lampen berührt, kam mir auch schon eine Staubschicht von mehreren Jahren entgegen. Ich hab Daniela gefragt, ob sie oben auf den Lampen nicht geputzt hat und sie meinte, dass sie bestimmt eine Lampe vergessen hat. Aber die sahen ALLE so aus. Wie kann man so was übersehen??? Naja, so ging das eigentlich die ganzen Wochen, die wir dort waren. Ich habe auf jeden Fall beschlossen, dass ich Daniela niemals in ihrer Wohnung besuchen werde.

Die nächsten Tage haben wir im Garten verbracht mit Unkraut rausreisen, Wurzeln entfernen, Kompost auf den Beeten verteilen, Bäume zurückschneiden.... Es war nicht gerade mein Traumjob (nach der Gartenarbeit bei Annabel), aber für 4 Stunden am Tag wars ok.

Nachmittags haben wir meistens auf der Couch mit Lesen verbracht oder sind in die Stadt gefahren und haben in Hostels Zettel mit meinem Autoverkauf verteilt. Ich hatte ein paar Anfragen für mein Auto, war aber leider kein potenzieller Käufer dabei. Ein deutscher Backpacker ist mit dem Auto zum nächsten Mechaniker gefahren und der hat ihm sofort abgeraten, das Auto zu kaufen. Der Keilriemen würde 1.500$ kosten und das würde er nicht empfehlen. Ein anderer wollte ein manuelles Auto und ich hab einen Automatik. Ich bin auch mittlerweile mit dem Preis auf 2.400$ runter gegangen. Wir haben auch in allen Supermärkten an den Noticeboards Zettel hingehängt. Aber niemand wollte mein Auto auch nur mal angucken.

Pablo war nur ein paar Tage bei Phoebe. Er hatte dann die Schnauze voll. Er hatte es aber auch nicht leicht mit ihr (Phoebe ist eine seeeeehr schwierige Person). Wir haben am ersten Tag erklärt bekommen, dass wir Alkohol selbst kaufen müssen. Was ja auch in Ordnung ist. Aber an unserem zweiten Tag war Pablo abends noch unterwegs und Phoebe hat uns ein Glas Wein angeboten. Wir haben dankend angenommen und zusammen auf der Couch gesessen und Wein getrunken. Irgendwann kam Pablo heim, hat sich zu uns gesetzt und irgendwann ganz höflich gefragt, ob er auch ein Glas Wein haben könnte. Phoebe meinte daraufhin, dass sie einen Tag vorher erklärt hätte, dass wir Alkohol selbst kaufen müssen. Er fragte daraufhin, warum Daniela und ich ein Glas Wein hätten und Phoebe hat gar nicht reagiert. Ich hab mich so unwohl gefühlt. Es war total unfair. Ich hab mich aber auch nicht getraut, was zu sagen. Naja, und so ging das die ganze Zeit. Kann verstehen, dass er keinen Bock mehr hatte.


Phoebe arbeitet am Hafen von Taupo in einer Booking-Agentur (da haben wir sie ja auch im September kennengelernt). Dort vermieten sie auch Kayaks. Und als an einem Tag das Wetter ganz schön gemeldet war, meinte Phoebe morgens schon, dass wir mittags zum Kayak fahren kommen sollen. Da wir nach 2 Stunden schon mit unserer Arbeit fertig waren, meinte Geoff, dass wir zu Phoebe an den Hafen fahren sollen und uns einen schönen Tag machen sollen. Wir waren total happy und sind „dummerweise“ erst zu McDonalds, um ins Internet zu gehen. Das Internet hat nicht mal funktioniert! Also sind wir dann zu Phoebe an den Hafen gefahren und als wir die Tür reingekommen sind, sagte sie, dass wir den Hubschrauber gerade verpasst hätten. Daniela und ich haben uns nur doof angeguckt. Sie hat uns dann erklärt, dass sie uns einen Hubschrauberflug spendieren wollte, aber wir wären zu spät. SCH... MCDONALDS!!!

Naja, wir haben uns dann doch mit dem Kayak begnügt. Was ja auch gut war. Wir wollten ja auf der Südinsel im Abel Tasman Nationalpark schon Kayak fahren, aber das war uns ja zu teuer. Jetzt konnten wir stundenlang ganz umsonst Kayak fahren. War dann nach dem Angebot mit dem Hubschrauber natürlich langweilig. Wir hatten trotzdem unseren Spaß! Wir haben von Phoebes Kollegin Schwimmwesten und eine Einweisung bekommen und schon gings los. Wir sind eine Weile auf dem Lake Taupo rumgepaddelt (das klarste Wasser, was ich jemals in einem See gesehen hab – man konnte bis auf den Grund gucken) und haben zwischendurch unsere Füße ins Wasser gehängt.

Nach ungefähr 2 Stunden hatten wir dann keine Lust mehr und sind wieder an Land gepaddelt. Nachdem wir wieder bei Phoebe im Office standen und uns bedankt haben, hat sie überlegt, was sie uns noch Gutes tun könnte. Sie hat dann ein bisschen rumtelefoniert (Segeln war nix – das Boot war zu voll; irgendeine andere Bootstour – die sind an dem Nachmittag nicht mehr auf den See gefahren) und irgendwann meinte sie dann, dass wir um kurz vor vier wieder hier sein sollten. Sie hat uns für Parasailing eingebucht. Wir waren total baff! Sie meinte dann, dass wir noch einen Kaffee trinken gehen sollen und dann einfach wiederkommen sollen. Eine Freundin von ihr besitzt ein Cafe in Taupo und dort sollten wir hingehen. Sie hat uns dann einen Zettel geschrieben, dass wir zwei Getränke für einen Preis bekommen. Wir sind dann mit dem selbstgeschriebenen Gutschein in das Cafe gelaufen und haben was geholt (hat sogar funktioniert – da kann ja jeder mit so einem Zettel kommen). Danach sind wir wieder an den Hafen gelaufen und waren (typisch deutsch!) pünktlich am Treffpunkt. Da die Neuseeländer ja nicht sehr pünktlich sind, musste wir noch eine halbe Stunde warten. Dann gings gleich aufs Boot und wir sind auf den See rausgefahren. Dort angekommen wurden wir an ein paar Gurte geschnallt und an den Fallschrim gehängt. Dann sollten wir uns einfach in die Gurte setzen und schon sind wir durch den Wind nach oben geschossen, als das Boot losgefahren ist. War schon komisch in so einer Höhe (ich weiß nicht genau wie hoch, aber wir hatten eine tolle Aussicht) direkt über dem See zu schweben. Die restlichen Boote sahen ziemlich klein aus (wie Spielzeuge). Wir sind 2 mal hin- und hergefahren und dann wurden wir schon wieder aufs Boot gezogen. War mal ein Erlebnis (vor allem ein kostenloses), aber eher langweilig im Vergleich zum Skydive. Wir haben uns bei Phoebe verabschiedet und ihr einen Tag später als Dankeschön einen Kaffee aus ihrem Lieblingsladen zur Arbeit gebracht.


Irgendwann freitags hatte Phoebe einen Tag frei und da Geoff sowieso zu Hause arbeitet, waren die beiden den ganzen Tag im Bett. Man hat nur Geoff ab und zu in der Küche gesehen, wenn er Phoebe was zu Essen ins Schlafzimmer gebracht hat. Abends um neun kamen die beiden dann endlich aus dem Schlafzimmer und Phoebe meinte, wir müssten noch das untere Cottage herrichten, weil am nächsten Tag jemand kommt. (!!!) Wir haben uns soooo geärgert. Da liegen die 2 den ganzen Tag im Bett und dann sollen wir abends um neun nochmal anfangen, was zu arbeiten?! Geoff, Phoebe, Daniela und ich sind dann nochmal in das leere (!) Cottage und haben ein Bett bezogen, sauber gemacht, Handtücher hingehängt, Geschirr in Schränke geräumt.... Phoebe hat uns dann noch eine Liste (für die „Gorgeous Girls“ wie sie uns immer genannt hat) geschrieben, was wir am nächsten Tag noch alles machen sollen. Gegen halb eins hat sie uns dann endlich entlassen (nachdem sie sowieso alles neu gemacht hat, was wir bereits gemacht hatten) und wir durften ins Bett. Am nächsten Tag waren wir schwer beschäftigt, um das Cottage herzurichten, bevor der gute Mann eintrifft. Wir sind genau rechtzeitig fertig geworden. Gerade auf dem Weg zurück zum Haus, kam uns schon das Auto entgegen. War ja nicht so, dass wir das nicht schon einen Tag vorher hätten fertig machen können. Aber nein, da liegen wir erst mal 12 Stunden im Bett und gucken Fernsehen.


An einem Wochenende hatten wir sturmfrei. Da ist die ganze Familie für eine Nacht nach Turangi auf einen Geburtstag gefahren. Die Ruhe war einfach göttlich! Im Nachhinein bin ich richtig froh, dass Phoebe den ganzen Tag gearbeitet hat. Immer wenn sie abends nach Hause kam, hat sie so einen Stress verbreitet.


Einmal sollten Dani und ich die 3(!) Gefrierschränke neu sortieren. Fleisch zu Fleisch, Brot zu Brot, Gemüse zu Gemüse... Damit man immer gleich alles findet. Wir haben alles schön sortiert und manche Sachen waren einfach zu viel, um in ein Fach zu packen. Also haben wir es in 2 Fächer aufgeteilt. Ein Gefrierfach war komplett zugefroren. Das hab ich dann mit Fön und Hammer bearbeitet und das ganze Eis entfernt. Insgesamt waren wir knapp 2 Stunden beschäftigt und stolz, als wir endlich fertig waren. Abends kam Phoebe nach Hause und hat sich das Ganze angeguckt. Und schon war sie wieder dabei, alles rauszuräumen und neu zu sortieren. Ich hätte echt kotzen können! (Sorry, aber ich hatte wirklich einen Zorn). Dann kann sie auch gleich alles selber machen. Controlfreak!!! Phoebe war der Meinung, dass das ganze Fleisch in ein Fach passt. Wir mussten es auf 4 Fächer verteilen. Sie hat es versucht, aber natürlich ging das Fleisch nicht in ein Fach (damit hätte man ganz Taupo versorgen können). Sogar Geoff hat gesagt, dass es schon seinen Sinn hat, was wir Mädels gemacht haben. Aber nein, hauptsache erst mal meckern und besser machen wollen.


An unserem letzten Wochenende war die Familie wieder von Donnerstag bis Montag verreist.

Worauf Dani und ich uns total gefreut haben. 5 Tage sturmfrei! Phoebe hat uns noch einen Zettel mit ein paar Aufgaben gegeben und gesagt, wir sollen nicht so viel machen, sondern unser letztes Wochenende in Taupo genießen. Phoebe wollte schon lange ihr Bad neu gestrichen haben. Und kurz vor der Abfahrt musste Geoff noch in einen Schuppen gehen und irgendeinen alten Eimer mit Acrylfarbe raussuchen. Den hat er uns hingestellt und uns erklärt, wo wir Pinsel finden. Da Phoebes Bad total klein ist, dachten wir, das wäre schnell erledigt. Nachdem wir alle verabschiedet haben, haben wir uns alte Klamotten angezogen und das Bad mit Zeitung ausgelegt. Da weder Daniela noch ich jemals mit Acrylfarbe gestrichen haben, wussten wir auch nicht, was auf uns zukommt. Ein paar Tage vorher mussten wir noch die ganzen Wände (mit der abgeblätterten Farbe) mit Schleifpapier glätten und mit Sugar-Soap (was auch immer das bewirkt) reinigen. Als ich die Farbdose aufgemacht hab, war auf der Farbe erst mal eine zentimeterdicke Schicht eingetrocknete Farbe. Als wir das endlich aus dem Eimer hatten und umgerührt haben, war nicht mal mehr ein Drittel Farbe im Eimer. Wir dachten, das reicht niemals für das ganze Bad inklusive Decke. Aber es hat gereicht. Acrylfarbe ist wirklich sehr ergiebig. Aber der Nachteil ist, dass man jeden Pinselstrich sieht. Die Farbe kann man freundlich „dunkelbeige“ nennen, sieht aber eher aus, als hätte jemand auf die Wand gekotzt. Nach knapp 3 Stunden waren wir fertig, aber das Bad sah schlimmer aus als vorher. Das kommt davon, weil Geoff auf Biegen und Brechen einfach irgendeine Farbe herzaubern musste, damit die „Gorgeous Girls“ auf jeden Fall das Bad streichen können. 2 Tage nachdem alle wieder daheim waren, hat Phoebe verkündet: „Surprise! I want to paint my bathroom silver!“ Ich dachte immer, Überraschungen seien was positives! Und so wie Phoebe sich angehört hat, fand sie das wohl auch positiv. Das wir aber 3 Stunden (4 Stunden, wenn man das Putzen hinterher noch mitzählt – Acrylfarbe von Fliesen wegzubekommen ist gar nicht so einfach) verbracht haben, um ihr sch... Bad zu streichen und uns noch die Klamotten versaut haben, das war ihr wohl völlig egal. Gut, dass sie an unserem letzten Tag verkündet hat, dass sie das neu streichen möchte. Kann dann ein anderer armer Backpacker machen. Wir sind am nächsten Morgen abgereist.


Etwas positives gibt es aber bei unserem Aufenthalt bei Phoebe und Geoff doch zu berichten. Die Tiere!!! Ich hab Gabbana soooo ins Herz geschlossen, dass ich geheult hab, als wir losgefahren sind. Wir haben den ganzen Tag gespielt und geschmust. Und wenn keiner da war (so wie in den 5 Tagen) hab ich sie immer auf die Couch gelassen und wir haben „gecuddled“. Und wenn wir den Pig-Run machen mussten, als wir 5 Tage alleine waren, haben wir sie immer mitgenommen. Pig-Run heißt, wir mussten jeden Nachmittag 2 Cafés und einen Supermarkt abklappern und den Biomüll (Schweinefutter) abholen.

Und Tigger hat jede Nacht in meinem Bett geschlafen. Am Anfang ist sie immer erst auf mein Bett gehüpft, sobald ich das Buch weggelegt hab und das Licht ausgeschaltet hab. Als würde ich das nicht merken! Das erste Mal bin ich zu Tode erschrocken, als sie auf meinen Beinen gelandet ist. Und zum Ende unseres Aufenthalts kam sie immer schon, wenn ich noch gelesen hab und lag bei schlechtem Wetter den ganzen Tag zusammengerollt in meinem Bett. Aber immer nur am Fußende – gut erzogen.


Oft mussten wir auch lachen. Die Familie Austin-Lobb ist eine Sammlerfamilie. Ich hab ja weiter oben schon erwähnt, dass es die Hölle war, das Wohnzimmer sauber zu machen, weil überall Ramsch steht oder liegt. Einmal haben Dani und ich den ganzen Anhänger von Geoffs Truck mit Müll vollgeladen und sind mit Geoff irgendwohin gefahren, wo man das ganze Zeug abliefern kann. Nachdem der Anhänger leer war, ist Geoff auf der Müllhalde rumgelaufen und hat so viel Zeug gefunden (was man ja evtl. noch benutzen könnte), dass der Anhänger wieder voll war, mit dem Müll anderer Leute.

Ein anderes Mal sind wir zu einer Bekannten von Phoebe und Geoff gefahren, weil Geoff dort ein altes Gartentor abholen wollte. Die Frau hat ihm noch so viel angedreht, was man ja vielleicht alles noch gebrauchen könnte (z. B. eine kaputte Katzen-Transportbox, die ein paar Tage später gleich wieder auf den Müll geflogen ist). Alles wir aufgehoben und auf dem ganzen Riesengrundstück liegt irgendwelches Zeug rum, weil man es ja irgendwann nochmal gebrauchen könnte!


An unserem letzten Tag hat Phoebe uns nochmal mit SMS zugebombt, was wir noch alles machen müssen. Wir haben weit über unsere 4 Stunden gearbeitet und waren fix und fertig. Sie wollte uns bestimmt noch bestrafen, weil wir sie verlassen. Sie hat immer gesagt, dass sie uns irgendwo festkettet, damit wir nicht gehen können. Und ganz oft meinte sie auch, dass unsere Eltern stolz auf uns sein können. Sie hatten selten so tolle Woofer, wie uns. Wer weiß, vielleicht wollte sie uns nur einlullen.


Ein seltsames Erlebnis hatte ich auch einmal. In den mehr als vier Wochen in Taupo haben sich nur 2 Leute wegen dem Auto gemeldet und beides ist ja nichts geworden. Am letzten Sonntag bevor wir abgereist sind, hab ich eine SMS bekommen. Jemand wollte sich mein Auto angucken. Er wollte auch gleich vorbeikommen („gleich“ war eine Stunde später). Irgendwann kamen dann 2 Typen auf den Hof gefahren und haben sich das Auto angeguckt und ein paar Fragen gestellt. Ein Typ hat sich dann ins Auto gesetzt und wollte den Motor anmachen. Und mein treues Auto hat einfach nur gestottert und ist nicht angesprungen. Das ist mir vorher noch nie passiert mit „Rocky“ (Alisa hat in Hastings unseren Autos Namen gegeben). Ich war total geschockt und hab versucht, mich rauszureden. Aber natürlich sind die Typen abgefahren ohne Interesse. Klar, ich würde auch kein Auto kaufen, was nicht mal anspringt. Ich hab es noch ein paar Mal versucht, aber ohne Erfolg. Ich hab dann den AA (neuseeländischer ADAC) angerufen und die wollten jemanden schicken. Eine Stunde später kam der AA, ich hab ihm erklärt was los ist, die Schlüssel in die Hand gedrückt, er steckt den Schlüssel ins Zündschloss, dreht ihn um und das Auto springt an wie immer. Das durfte doch nicht wahr sein! Ich hab mich tausend Mal entschuldigt und gesagt, dass es wirklich nicht angesprungen ist und dass es mir leid tut, dass er extra gekommen ist. Er hat nur gegrinst und gesagt, ich solle es mal beobachten. Seitdem gab es keine Probleme mehr mit „Rocky“. Ich seh das jetzt als Zeichen, dass ich mein Auto nicht an die beiden Typen verkaufen sollte. So hatten wir immerhin eine Möglichkeit, stressfrei nach Auckland zu kommen und konnten den Bus vermeiden.


Im Großen und Ganzen war es eine Erfahrung wert, auch wenn es oft ganz schön anstrengend war (eher Phoebe als die Arbeit). Und ich hab mich dort auf jeden Fall wohler gefühlt, als bei Aoife und Lyndon und die 4 Wochen vergingen wie im Flug. Und es war mal wieder toll, Familienleben zu spüren.

Am besten fand ich die Freitagabende, wenn ich allein mit Anastatia auf der Couch vor dem Ofen gesessen hab und Vampire Diaries geguckt hab.


Dienstagabend haben wir dann unsere Sachen gepackt und sind früh ins Bett gegangen. Mittwochmorgen sind wir früher aufgestanden als sonst, damit wir uns von allen verabschieden können. Nachdem das erledigt war, haben wir uns noch Zeit gelassen und uns von den beiden Hunden verabschiedet. Tigger war schon wieder unterwegs. Gabbana hat gespürt, dass wir gehen. Die war ganz komisch drauf. Und es hat mir sooo leid getan. Es hat sich wahrscheinlich noch nie jemand so mit ihr beschäftigt wie wir. Sie hat uns aus ihren traurigen Hundeaugen angeguckt und ist sogar mit bis ans Auto gelaufen (wenn wir nur in die Stadt gefahren sind, hat sie das nie gemacht). Den Abschied von ihr fand ich am Schlimmsten. Aber das wusste ich schon, als ich sie das erste Mal gesehen hab. Ich bin ja da sehr anfällig, was das betrifft.


Kurz nachdem Phoebe gegangen ist, haben Daniela und ich jeweils noch eine SMS von Phoebe bekommen:

Thank you girls for all that you have done. We really do appreciate it. You are gorgeous girls and I hope your life is a really wonderful one.


So süß!!!


Gegen 10:00 Uhr haben wir uns dann auf den Weg nach Auckland gemacht. Das gibt aber dann wieder mal ein neuer Bericht.


Bis dahin bye bye!


Eure Anni

1.4.12 00:23

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